Altendiez. Welche Fähigkeiten brauchen junge Menschen in einer Welt, die sich durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz immer schneller verändert? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Empfang der Wirtschaft 2026 der IHK Koblenz für den Rhein-Lahn-Kreis, der am Mittwoch, 24. Juni 2026, am Oranien-Campus in Altendiez stattfand.
Bereits zu Beginn wurde deutlich, dass das Thema Bildung und Fachkräftesicherung Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gleichermaßen bewegt. Richard Hover begrüßte die zahlreichen Gäste, darunter den ehemaligen DFB-Präsidenten Dr. Theo Zwanziger, Landrat Jörg Denninghoff, den Päsidenten des rheinland-pfälzischen Landtags Matthias Lammert sowie die Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Rhein-Lahn, Tanja Steeg.
Von der Verbandsgemeinde Aar-Einrich nahmen Marc-André Kubitza (Beigeordneter) und Christopher Kahl (Wirtschaftsförderung) teil.
Jens Geimer, Vizepräsident der IHK Koblenz, verwies auf die besondere Bedeutung des Veranstaltungsortes. „Schule ist die erste Ausbildung im Leben“, sagte er und bezeichnete den Oranien-Campus deshalb als einen passenden Ort für die Veranstaltung. Mit Blick auf die rasanten Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz stellte er die Frage in den Raum, wie künftig mit Wissen umgegangen werde. Dies sei nicht nur eine Aufgabe für Schulen oder Unternehmen, sondern für die gesamte Gesellschaft.
Auch Laura Heuchemer, Vorsitzende des IHK-Regionalbeirats Rhein-Lahn, hob die Rolle des Oranien-Campus hervor. Hier werde Zukunft nicht nur diskutiert, sondern jeden Tag gestaltet. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass die Sicherung von Fachkräften zu den größten Herausforderungen der kommenden Jahre gehört. Nachwuchs werde heute in nahezu allen Bereichen gesucht. Schulen müssten deshalb jungen Menschen Orientierung geben und wichtige Grundlagen für ihren weiteren Lebensweg schaffen.
Unter dem Leitthema „Welches Mindset braucht die Schule von morgen?“ sprach Landrat Jörg Denninghoff über die Bedeutung von Bildung in einer sich wandelnden Welt. Ziel müsse es sein, junge Menschen zu selbstständigem Denken zu ermutigen und sie auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Als Beispiel für erfolgreiche Berufsorientierung verwies er auf die JOBNOX, die seit 2023 im Rhein-Lahn-Kreis stattfindet und Schülerinnen und Schüler frühzeitig mit Unternehmen zusammenbringt.
Einen besonders eindrucksvollen Einblick in die Bildungsarbeit am Oranien-Campus gab anschließend die kommissarische Schulleiterin Kathrin Glaser. Für sie steht nicht die Frage im Vordergrund, was junge Menschen auswendig wissen, sondern wie sie vorhandenes Wissen anwenden. „Welche Fähigkeiten brauchen junge Menschen in Zukunft, die wir heute noch gar nicht kennen?“, fragte sie die Zuhörer.
Glaser machte deutlich, dass die Welt von morgen Menschen brauche, die lernen wollen, Verantwortung übernehmen und bereit sind, sich ständig weiterzuentwickeln. Dabei dürfe eines niemals verloren gehen: die Menschlichkeit.
„Wissen kann man nachschlagen, Menschlichkeit muss man erleben“, sagte sie und erhielt dafür viel Zustimmung im Saal. Mentale Stärke entstehe nicht im Lehrbuch, sondern durch Erfahrungen, durch Herausforderungen und manchmal auch durch Rückschläge. Fehler seien keine Niederlagen, sondern Chancen zur Weiterentwicklung. „Mut, Fehler zu machen, ist wichtig. Erfolg entsteht oft erst durch den Umgang mit Problemen“, betonte Glaser.
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Ausführungen war die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft. Junge Menschen müssten frühzeitig Einblicke in die Berufswelt erhalten. Partnerschaften zwischen Unternehmen und Schulen seien deshalb ein wichtiger Baustein, um Zukunft aktiv zu gestalten.
Dass auch die Medienbranche vor großen Veränderungen steht, schilderte Lars Hennemann, Chefredakteur der Rhein-Zeitung. Für ihn wird Problemlösungskompetenz künftig immer wichtiger. Entscheidend sei nicht allein das Wissen, sondern was Menschen daraus machen. Durch Künstliche Intelligenz verliere reines Faktenwissen an Exklusivität. Umso wichtiger werde die Fähigkeit, Informationen einzuordnen und sinnvoll zu nutzen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion diskutierten Kathrin Glaser, die Schülerinnen und angehenden Abiturientinnen Nieke Tegtmeier und Lianne Mauritz sowie Andreas Mangold von der Rheinquartier GmbH & Co. KG aus Lahnstein über die Anforderungen an die Fachkräfte von morgen. Moderiert wurde die Runde von Lars Hennemann.
Dabei wurde deutlich, dass digitale Werkzeuge am Oranien-Campus längst zum Schulalltag gehören. Die Schülerinnen berichteten von der Arbeit mit Laptops, digitalen Tafeln sowie Programmen wie Word, PowerPoint und Canva. Gleichzeitig betonten alle Beteiligten, dass digitale Kompetenzen allein nicht ausreichen.
Gefragt seien vor allem Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke, Problemlösungskompetenz, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, lebenslang zu lernen. Andreas Mangold unterstrich dabei, dass klassische Fähigkeiten wie Rechnen und Schreiben weiterhin unverzichtbar bleiben. Moderne Technologien seien wichtig, könnten diese Grundlagen aber nicht ersetzen.
Auf die Frage, ob sie sich für ihre Zukunft gut vorbereitet fühlen, antworteten die beiden Schülerinnen ohne Zögern: „Ja, wir fühlen uns gerüstet.“
Mit einem Schlusswort von Denise Nickel, Sprecherin der Wirtschaftsjunioren Westerwald-Lahn, endete der offizielle Teil der Veranstaltung. Beim anschließenden Imbiss und einem Rundgang über den Campus nutzten die Gäste die Gelegenheit zum persönlichen Austausch.
Der Empfang der Wirtschaft 2026 machte deutlich: Die Schule von morgen soll weit mehr vermitteln als Fachwissen. Gefragt sind junge Menschen, die neugierig bleiben, Verantwortung übernehmen, mit Veränderungen umgehen können und den Mut haben, neue Wege zu gehen.
Bildunterschrift: Beigeordneter Marc-André Kubitza (links) und Wirtschaftsförderer Christopher Kahl (rechts) waren für die Verbandsgemeinde Aar-Einrich neben zahlreichen weiteren Personen auf dem IHK-Empfang der Wirtschaft im Rhein-Lahn-Kreis.
Bild- und Textquelle: Entwicklungsagentur Aar-Einrich
