Film–Genuss und Poesie in der Stadthalle Katzenelnbogen

Aar-Einrich.

Ausgesucht hatte er Buster Keatons „7 Chancen“. Ein Film, 101 Jahre alt, den Buster Keaton selbst für einen „weniger guten Film“ hielt.  Die Geschichte ist schnell erzählt: Sie handelt davon, dass der Protagonist Jimmie sich in allen vier Jahreszeiten nicht traut, Mary, die er seit langer Zeit liebt, seine Liebe zu gestehen. Dann tritt ein Ereignis ein, welches eine Heirat jedoch dringend nötig macht. Jimmie und sein Geschäftspartner Billy sind mit dem Bankrott konfrontiert, als Jimmie erfährt, dass er von seinem verstorbenen Großvater sieben Millionen Dollar erbt – vorausgesetzt, er ist bis spätestens 7 Uhr abends desselben Tages verheiratet. Jimmie muss seine Schüchternheit überwinden und macht seiner angebeteten Mary einen Heiratsantrag. Weil es den Anschein hat, er wolle die Ehe nur des Geldes wegen, weist sie ihn ab. Die finanzielle Notlage zwingt Jimmie, weiteren weiblichen Bekanntschaften in aller Eile einen Heiratsantrag zu unterbreiten, der jedoch meist noch eiliger zurückgewiesen wird. Sein Partner schaltet daraufhin eine Heiratsanzeige in der Zeitung. Treffpunkt Kiche: Tatsächlich drängen bald hunderte Frauen in freudiger Erwartung, einen Millionär zu ehelichen, in die Kirche. Hier spielten sich urkomische Szenen ab.

Als der Küster die Damen irritiert der Kirche verweist, entlädt sich die Wut der Heiratswilligen an Jimmie. Mit hunderten aggressiven Frauen in Brautkleidern hinter sich rennt Jimmie durch die Straßen von Los Angeles und flüchtet ins umliegende Gelände. Hier kommen Sprachwitz und Humor, untermalt mit einer punktgenauen Geräuschkulisse auf den Punkt und zu einem Höhepunkt. Sein Live-Kommentar war geistreich, pointiert, extrem witzig oder schlichtweg komisch. Ralph Turnheim versteht es, sein Publikum charmant und informativ zu unterhalten. Mehrere Informationen zu den Stummfilmen. Original-Zwischentexte in englischer Sprache waren hilfreich, in früheren Zeiten waren die Stummfilme auch noch mit Musik hinterlegt. Jedoch die Idee, den Film durchweg zu besprechen, hatten sich die Zuschauer und Zuhörer sicher nicht in dieser Vollendung vorstellen können.

Das Ende der Geschichte: Durch eine Geröll-Lawine, die Jimmy dabei unabsichtlich lostritt, werden die Frauen schließlich in die Flucht geschlagen. Die Geröll-Lawinen waren übrigens aus Pappmaché hergestellt. Informationen, die Ralph Turnheim seinem Publikum erklären konnte.

In der Zwischenzeit überzeugte Jimmy Mary von seiner ehrlichen Liebe. In letzter Minute geben sich beide das Jawort, womit Jimmies Erbe gerettet ist. Beim Küssen der Braut kommen Jimmie jedoch sämtliche Gratulanten zuvor.

Der Abend wurde durch eine stilvolle Gestaltung bei einem vorausgegangenen Empfang vor der Stadthalle und einem gastronomischen Angebot ergänzt. Sommelier Kevin Meyer und sein Team bot eine Verkostung edler Weine und Spirituosen an. Stefanie Winkler-Jöckeritz und Sohn Fabian sorgten mit Crêpes für die dazu passenden Gaumenfreuden.

Text und Foto: Uschi Weidner