Hahnstätten / Rhein-Lahn.
Mit einem Gottesdienst, einem Empfang sowie Spiel und Spaß hat das evangelische Jugendhaus in Hahnstätten Geburtstag gefeiert; krankheitsbedingt war der 30. um ein Jahr verschoben worden.
Von Kindern bis zu den Gründungsmitgliedern war alles vertreten, um der segensreichen Einrichtung seine Aufwartung zu machen. Der Tag begann mit einem fröhlichen Gottesdienst unter der Leitung von der Pröpstin für Rheinhessen und das Nassauer Land Henriette Crüwell. „Wundertüte“ war er überschrieben.
Wie es zu dem Titel kam, erklärten Oliver Krebs und Ailina Neumann zum Beginn.
Neue Begegnungen, Geschichten, Herausforderungen, schöne Momente – „und nie weiß man, welche Fragen durch die Tür reinkommen“, beschrieb das Betreuer-Duo des Jugendhauses ihren Alltag. „Und immer gibt es kleine Wunder zu erleben“.
„Bewahren sie sich die offenen Türen des Jugendhauses“, bekräftigte die Pröpstin in ihrer Predigt und erinnerte an die Wundertüten, auf die sich in ihrer Kindheit im Tante-Emma-Laden freute. „Jede Wundertüte ist eine tolle Überraschung, darin liegt der Zauber“, so die Theologin. „Haltet Gastfreundschaft, denn dadurch haben manche ohne es zu wissen, schon Engel beherbergt“, zitierte sie einen Bibelvers. Die gehe übers reine Bewirten weit hinaus. Crüwell: „Das ist eine Haltung, die im Herzen beginnt“. Offen sein für Andere, die oft anders „anders sind als wir“ sei keine Selbstverständlichkeit in Zeiten der Polarisierung. Da sei das Jugendhaus ein Vorbild. „Wir brauchen Orte, wo Verschiedenheit sein darf“, sagte Crüwell, bevor sie den Inhalt der kleinen Wundertüten vorstellte, die die Arbeit der Einrichtung deutlich machten und die am Ausgang verteilt wurden: Seifenblasen, die für Leichtigkeit stehen, Pflaster des Tröstens, Regenbogen-Aufkleber, die Vielfalt symbolisieren, Brausepulver fürs Unerwartete und ein Herz für die Geborgenheit, die das Jugendhaus schenkt. Sie selbst hatte noch zwei Symbole dazu gepackt, eine Feder, die an besagte Engel erinnert und ein buntes Freundschaftsband, das in aller Verschiedenheit Verbindung schafft.
Vor dem Jugendhaus selbst erinnerten Neumann und Krebs an die Entstehung der Einrichtung. Der damalige Dekanatsjugendreferent Friedhelm Hahn, selbst Geburtstagsgast, sah ein Zeitungsbild mit der alten Scheune und Jugendlichen davor, die sich ein Jugendzentrum wünschten. So setzte er alle Hebel in Bewegung, bis das Gebäude 1995 eingeweiht und in Kooperation zwischen Ortsgemeinde und Dekanat und dank engagierter Jugendlicher mit Leben erfüllt wurde. Hahn und Christine Schnabel sorgten für die erste professionelle Begleitung, gefolgt von Solveig Mueller und Oliver Krebs. Ailina Neumann selbst lernte ihren späteren Arbeitsplatz schon als Jugendliche kennen. Ein typisches Beispiel, was die Arbeit mit Jugendlichen so erfüllend macht, nannte Krebs, der von einem 21-Jährigen berichtete, der mit zehn Jahren ins Jugendhaus kam, mit anpackte, Schule und Ausbildung absolvierte, sich selbständig machte und dem Jugendhaus immer noch verbunden ist. „Zu sehen, wie aus einem regelmäßigen Besucher ein verantwortungsbewusster Erwachsener wird, gehört zu den schönsten Erfahrungen in der offenen Jugendarbeit“, so Krebs.
„Wenn ich Weizen säe, kann ich errechnen, was dabei rauskommt“, sagte Ortsbürgermeister Joachim Egert. So lasse sich das im Jugendhaus nicht rechnen. „Wenn wir auch nur ein Kind dadurch nicht verlieren, ist das mehr als ich ernte“, erklärte der Ortschef, der an Diskussionen und auch Widerstände erinnerte, um das Jugendhaus in Kooperation mit dem Dekanat zu verwirklichen. Zuvor gab es zwar bereits Jugendräume in der Gemeinde, aber ohne betreuendes Personal.
Den bunten Regenbogenschirm des Dekanats überreichte dessen stellvertretender Vorsitzender Uli Werner, symbolisch für die Vielfalt an jungen Menschen, die dort ein- und ausgehen. „Es ist beeindruckend, wie respektvoll ihr miteinander umgeht und eine Atmosphäre schafft, in der sich alle wohlfühlen.“ Für die evangelische Kirchengemeinde Hahnstätten-Kaltenholzhausen lobte Oliver Schwenk die Einrichtung. „So ein Geburtstag ist eine gute Gelegenheit, einmal Danke zu sagen für die offenen Räume, die ihr hier schafft“. Auch bei Veranstaltungen der Kirchengemeinde sei das Jugendhaus immer dabei.
Emily March dankte als Jugendhaus-Vertreterin und „Sprachrohr der Jugendlichen“ den Trägern sowie den offenen Ohren und Spendern, wenn man sich etwas Neues wünscht wie den Multifunktionsschrank oder die Tischtennis-Platte, die in der Sommersonne mit den frohen Geburtstagsgästen um die Wette funkelte. Bei Kaffee und Kuchen wurde sich unterhalten und manche Anekdote aus den drei Jahrzehnten ausgetauscht.
Text & Bildquelle: Dekanat / Bernd-Christoph Matern
